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Umsatzsteuer – endlich nicht mehr Kleinunternehmerin…?

Erschienen in: existenzielle, 04/2011 - aktualisiert Jan. 2020

Stellen Sie sich vor: Sie haben im letzten Jahr mehr Aufträge gehabt als je zuvor. Sie haben Ihre persönliche Bilanz gezogen, sich über den Erfolg gefreut und wahrscheinlich schon wieder alle Hände voll zu tun. Bevor Sie zum Nachdenken kommen, werden Sie die Belege sortieren und Sie Ihrer Steuerberaterin überreichen. Vielleicht warten Sie auch noch ein wenig oder übernehmen diese Arbeiten selbst.

Mit der Umsatzsteuer bzw. Mehrwertsteuer hatten Sie bisher nichts zu tun, außer dass Sie sie tagtäglich beim Einkaufen auf den Quittungen und Rechnungen sehen. Wenn Sie Kleinunternehmerin sind, dann sind Ihre Waren und Dienstleistungen zwar im Grunde umsatzsteuerpflichtig, aber Sie verzichten auf die Ausweisung und Abführung der Mehrwertsteuer. Deshalb steht bei Ihnen auf der Rechnung: "Dieser Betrag ist umsatzsteuerfrei nach § 19 UStG".
Das gilt aber nur so lange, wie Ihre unternehmerischen umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen (ohne den Abzug von Kosten) im Vorjahr (also in 2019) unter 22.000 € lagen (bis 2018 waren es 17.500 €).

Was sollten Sie tun, wenn Sie Kleinunternehmerin sind?
Am besten ist es, schon im laufenden Jahr gegen Ende alle Einnahmen zusammenzuaddieren. Dann schätzen Sie ab, ob Sie in diesem Jahr unter den 22.000 € bleiben oder ob Sie darüber liegen werden. Bleiben Sie darunter, sind Sie auch im nächsten Jahr Kleinunternehmerin. Klettern Ihre Einnahmen über diese Grenze, dann werden Sie im kommenden Jahr umsatzsteuerpflichtig.

Wenn Sie ihre Einnahmen nicht schon in 2019 geprüft haben, dann tun Sie es jetzt. Waren Ihre Gesamteinnahmen 2019 über 22.000 €?

Dann tun Sie folgendes:
1.) Prüfen Sie, ob für bestimmte Leistungen, die Sie erbringen, eine Umsatzsteuerbefreiung nach § 4 UStG in Frage kommen könnte. Umsatzsteuerfreie Einnahmen brauchen Sie bei der Ermittlung der Kleinunternehmerinnengrenze nicht zu berücksichtigen! Allerdings sollten Sie vorsichtig sein und tatsächlich prüfen, denn das Finanzamt legt hohe Maßstäbe bei den umsatzsteuerfreien Einnahmen an,
Hier die wichtigsten:
a) Heilbehandlungen nach § 4 Nr. 14a) UStG durch z.B. Ärztinnen, Heilpraktikerinnen, Psychotherapeutinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen. Leistungen, die keine Heilbehandlungen sind, sind nicht von der Umsatzsteuer befreit. Voraussetzung ist immer, dass Sie einen dieser Berufe ausüben!
b) Pflege und Betreuung kranker und behinderter Menschen aufgrund einer SGB-Vorschrift oder einer Vereinbarung mit einem Sozialhilfeträger. So steht es im Gesetz § 4 Nr. 16 UStG. Berufsbetreuungen nach dem BGB fallen nicht unter diesen Gesetzeswortlaut, aber es ist ein Klageverfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig.
c) Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe, die unter das SGB VIII fallen und gegenüber einem Jugendhilfeträger erbracht werden, wenn Sie nicht selbst Träger der freien Jugendhilfe sind (§ 4 Nr. 25 UStG). d) Schulunterricht, Hochschulunterricht und Unterricht, der auf einen Beruf oder eine Prüfung vorbereitet (3 4 Nr. 21 UStG).
2.) Nun ziehen Sie von Ihren Einnahmen die umsatzsteuerfreien Einnahmen ab, sofern Sie welche haben. Überschreiten Sie dann die 22.000-€-Grenze im Vorjahr (also 2019), dann sind Sie 2020 nicht mehr Kleinunternehmerin sondern umsatzsteuerpflichtig.

Das bedeutet, dass Sie 19% Mehrwertsteuer (in der Regel) auf Ihre Einnahmen draufschlagen müssen, die Sie ¼ -jährlich oder monatlich an das Finanzamt mit der Umsatzsteuervoranmeldung melden und zahlen. Im Gegenzug dürfen Sei auch die Mehrwertsteuer, die Sie als Unternehmerin gezahlt haben, davon abziehen. Das ist die Vorsteuer und dieser Vorgang heißt: Vorsteuerabzug.

Wenn Sie erst am Jahresende feststellen, dass Sie umsatzsteuerpflichtig waren, ohne dass Sie es gewusst haben und entsprechend reagieren konnten, dann müssen Sie mit einer Nachzahlung der Umsatzsteuer rechnen, die bei ca. 3.800 € liegen kann. Wenn Sie diesen Posten nicht einkalkuliert haben, kann es finanziell eng werden.

Die Umsatzsteuerpflicht hat zur Konsequenz, dass Ihre Endpreise 19% teurer werden müssten. Aber bleibt nicht dann die Kundschaft aus und sollten Sie nicht lieber die Preise so lassen? Nun, das können Sie auch tun. Sie müssen sich nur darüber im Klaren sein, dass Sie dann die Umsatzsteuer aus Ihrer Tasche zahlen und dies für Sie sehr teuer ist. Bei Gesamteinnahmen von 25.000 € sind das ca. 3.800 € mehr Kosten, die Ihren Gewinn und damit Ihre Einkommen mindern. Üblich ist das in der Regel nicht. In manchen Branchen ist es so, dass die Mehrwertsteuer zu Ihren Lasten geht: z.B.wenn in Verträgen "inklusive Mehrwertsteuer" steht.
Reden Sie mit Ihrer Kundschaft und teilen Sie Ihnen mit, dass Sie nun Umsatzsteuer zahlen müssen und dass Sie deshalb Ihre Preise erhöhen. Die meisten haben Verständnis dafür.

Die Unternehmerin, die gerade umsatzsteuerpflichtig geworden ist, ist gewinntechnisch weit davon entfernt, Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dieser Weg dauert länger und deshalb ist es wichtig, den Sprung in die Umsatzsteuer zu gestalten anstatt ihn zu verpassen.

Ihre Franziska Bessau

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